INTERVIEW mit dem frisch gebackenen Cape Epic Sieger Karl Platt, über seine südafrikanische Vorbereitung, sein Zebra-Bike, das Team-Work und welche Rolle Wein für seinen Erfolg spielt.

Wer das ABSA Cape Epic bestreiten will, braucht laut Veranstalter acht Tage Courage „#8daysofcourage“. Zwar war die Route kürzer als in den letzten Jahren, allerdings hatte sie gleich viele Höhenmeter. Das führt zu mehr Höhenmetern pro Kilometer, also zu mehr Steigung. Zudem waren die 654 Kilometer und 15.000 Höhenmeter zum Großteil auf Singletrails zurückzulegen. In Summe war das Cape Epic also schwerer zu fahren als in den Vorjahren. Was neben Courage noch erforderlich ist zum Sieg eines so harten 8-tägigen Etappenrennens, erklärt der Sieger Karl Platt im Interview.

Karl, Glückwunsch zum Sieg. Gebührend gefeiert?

Bild: Sabrina Kral Champagner Dusche für den nicht Alkohol trinkenden Urs.

Bild: Sabrina Kral
Champagner Dusche für den nicht Alkohol trinkenden Urs.

Klaro! Es ging direkt nach der Ziellinie los mit Schampus vom Veranstalter. Danach waren alle „Poren“ offen und es wurde ein langer Tag. Daheim ging´s dann auch gleich weiter. Meine Frau hat eine Überraschungsparty mit vielen Freunden und Bekannten organisiert und wir hatten einen netten Brunch.

Dies war nun Dein 5. Cape Epic-Sieg in Deiner Karriere und das in der 13. Auflage. Du hast auch 2004 das allererste Cape Epic gewonnen und Dich nun mit dem fünften Sieg in die Cape Epic-Geschichtsbücher eingetragen. Wie kann man die beiden Siege miteinander vergleichen?

Als Mannie Heymans und ich 2004 zur ersten Cape Epic runter flogen, war uns noch gar nicht bewusst, welche Dimension das Rennen irgendwann mal annehmen würde. Es war damals eher ein Experiment. Wir fuhren aus Neugier und Lust auf was Neues. Zudem war es eine gute Vorbereitung auf die europäische MTB-Saison. Klar hat uns der Sieg damals auch gefreut, aber zu etwas Besonderem wurde er erst in den Jahren drauf. Zwischen damals und heute liegen Welten. Die Vorbereitung auf das Cape Epic wird von allen Teams viel professioneller angegangen und das Etappenrennen hat einen ganz besonderen Stellenwert im internationalen Rennzirkus bekommen. So dass mein Sieg dieses Jahr wohl zu den bedeutendsten Siegen meiner Karriere gehört.

Du Sprichst die Vorbereitung an, wurde diese auch von Jahr zu Jahr spezieller?

Natürlich wird jedes Jahr an der Vorbereitung optimiert. Aber eigentlich kenne ich meinen Marschplan schon ganz genau und weiß, was ich machen muss, um fit zu werden. Bisher habe ich es hinbekommen, an jedem meiner 13 Cape Epics fit an der Startlinie zu stehen…

… und wie bekommst du das hin?

Also die Vorbereitung auf das Cape Epic startet bei mir im November. Standesgemäß setzte ich den Kick-Off mit einem Laktattest. Das mach ich schon seit über 20 Jahren so. Danach folgt schon das erste Trainingslager in Südafrika oder Mallorca, aber eher so zum reinkommen. Richtig los geht es dann erst im Dezember mit einer Woche Trainingslager auf Mallorca mit dem Team und einigen Radkollegen aus dem Profizirkus. Auf Mallorca geht es vor allem darum, Kilometer für die kommende Saison zu sammeln. Mitte Januar fliege ich dann zum ersten Mal nach Südafrika, um spezifisch auf dem Bike zu trainieren. So kann ich mich schon mal locker auf den Cape Epic-Trails warmfahren. Ab Februar bestreite ich bereits die ersten Vorbereitungswettkämpfe auf Lanzarote und in Südafrika, um langsam meine Rennhärte aufzubauen.

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Klingt nach einem straffen Plan und viel Reiserei?

Ja, eigentlich bin ich ab Dezember mehr unterwegs als Zuhause. Quasi im Zweiwochentakt pendle ich von Dezember bis April zwischen den Trainingslagern und Zuhause hin und her.

Andere Sportler sind nicht ganz so viel unterwegs. Sind die Trainingslager in Südafrika unbedingt notwendig, um sich auf das Cape Epic vorzubereiten?

Für mich schon! Ich weiß, nur so kann ich das Cape Epic gewinnen. Im Trainingslager habe ich den Kopf frei und kann mich ausschließlich auf das Training konzentrieren. Aber noch viel wichtiger für mich: Ich trainiere unter den Cape Epic-Bedingungen, also in der Hitze, auf den Trails und früh am Morgen. Für andere geht es natürlich auch anders. Urs zum Beispiel bereitet sich im Januar auf Gran Canaria vor und kommt erst zu den Vorbereitungswettkämpfen nach Südafrika. Aber für mich steht fest: Nur so gewinne ich das Cape Epic. Es ist halt ein spezielles Rennen, das man im Februar bei den Witterungen nicht zu Hause simulieren kann.

Du sprichst Urs an. Du hast das erste Cape Epic mit Mannie Heymans für gewonnen und dann noch drei weitere Siege mit Deinem langjährigen BULLS-Teampartner Stefan Sahm eingefahren. Seit drei Jahren fährst Du jetzt mit Urs und dieses Jahr habt Ihr Euren ersten Cape Epic-Sieg eingefahren. Hat es drei Jahre an Einspielungszeit gebraucht?

Naja, man muss das schon auch relativieren. Mit Urs habe ich bis dato zwar noch keinen Rundfahrtsieg eingefahren, allerdings beim Epic schon zwei Podiumsplatzierungen und auch bei anderen Etappenrennen waren wir immer vorne mit dabei. Man sollte bedenken, dass die Zeiten sich geändert haben und es jetzt viel mehr Profi-Teams gibt, die auch einen guten Job machen. Die Konkurrenz ist also viel härter und Siege sind nicht programmierbar. Und gegen einen Olympiasieger musst Du erst mal gewinnen…

Noch mal nachgehakt. Waren drei Jahre Vorbereitung mit Urs auf diesen Sieg notwendig? Braucht es eine gewisse Einspielungszeit mit einem Partner, bevor man richtig gut harmoniert? Urs und Du seid ja ganz unterschiedliche Typen, sportlich wie privat.

Nein, Urs und ich haben eigentlich von Anfang an gut miteinander harmoniert. Deshalb haben wir ihn auch 2013 ins Team geholt, da wir wussten, mit ihm kann ich das Cape Epic gewinnen. Klar bin ich wohl mehr der „Lebemann“ und Urs etwas ruhiger und zurückhaltender. Im Privaten ergänzt sich das aber ganz gut.

Apropos Lebemann, während dem Cape Epic sieht man beim Team Bulls beim Abendessen auch immer eine Flasche Wein auf dem Tisch, gehört das zur Rennvorbereitung?

Wenn Du acht Tage lang, jeden Tag Vollgas gibst, dazu noch unzählige Termine und Interviews hast, dann bringt mich ein Glas Wein am Abend wieder runter und hilft mir abzuschalten und einzuschlafen. Man soll sich mal locker machen. Die meisten gehen da zu verkrampft ran. Was soll an einem Glas Rotwein am Abend schlecht sein? Also ich bin meine besten Rennen immer mit einem Wein am Vorabend gefahren. Ich glaube, die meisten geiseln sich da selbst zu sehr.

OK, Wein am Abend führt zu einer Top-Leistung am nächsten Tag, soviel haben wir gelernt. Gibt es sonst noch Ernährungs-Tipps, die speziell fürs Epic gelten, die du weitergeben kannst?

Beim Cape Epic haben wir einen Koch dabei, der uns die acht Tage rund um die Uhr versorgt. Aber eigentlich kocht der nichts Besonderes, also nix Abgefahrenes wie bspw. die ganze Zeit nur gedünstetes Gemüse oder so. Wir ernähren uns während des Etappenrennes mit einer normalen Mischkost aus: Reis, Kartoffeln, Gemüse, Fleisch oder Fisch und das ganze lecker zubereitet. Auf was man vielleicht achten sollte, ist, sich leicht zu ernähren. Durch die ganzen Gels während den Etappen, wird der Magen durchaus belastet. Somit tut es manchmal gut, nur was Leichtes zu essen, um den Magen nicht noch mehr zu belasten. Dann gibt’s Reis mit Olivenöl.

Team BULLS hat einen eigenen Koch dabei, nicht schlecht, wen habt ihr denn noch so alles eingeflogen?

Der Koch ist sehr wichtig, ein Drittel der Fahrer beim Cape Epic bekommen es irgendwann mit dem Magen zu tun. Wir stecken so viel Energie in die Vorbereitung. Da wäre es nur blöd, wenn wir am Ende mit dem Magen Probleme bekommen… Neben dem Koch haben wir noch einen südafrikanischen Mechaniker und Physiotherapeuten angestellt. Eingeflogen wird nur unser Mechaniker Tobi, unser Team-Manager Friedemann, sowie Anika unsere Physiotherapeutin. Wir sind aber nicht die einzigen. Alle Top-Teams sind mit einem umfangreichen Support-Team ausgestattet. Ohne geht es nicht mehr. Wir fahren das Cape Epic ja nicht zum Spaß. Dass ist die Tour de France der Mountainbiker.

Neben einem Support-Team habt ihr noch ein Supporter-Team, also ein Renn-Team was

Sabrina Kral Die Mannschaft: Team BULLS

Sabrina Kral
Die Mannschaft: Team BULLS

euch auf der Strecke unterstützt und bei technischen Defekten aushilft. Wie wichtig ist die Rolle von so einem Team?

Kein Team, das gewinnen will, kann es sich heute noch leisten ohne Supporter-Team auf die Strecke zu gehen. Anders ist das Cape Epic nicht zu gewinnen. Da kann so viel passieren, da braucht man einfach Unterstützung. Mir geht es auch immer besser, wenn ich über die Schultern schaue und sehe: Ah die Jungs sind mit dabei, prima. Ein Fehler und das Cape Epic kann entschieden sein…

Also acht Tage keine Fehler machen, ist das das Geheimnis des Erfolgs?

Ja, kann man so sagen. Das gilt nicht nur für Defekte, sondern auch taktisch. In der richtigen Position in den Singletrail fahren, nicht überziehen, in den Abfahrten Energie sparen, Zeit gutmachen und nicht stürzen…. Man muss ständig konzentriert sein. Das ist sau anstrengend. Ein Fehler und wie gesagt, es kann aus sein. Wie bei mir vor zwei Jahren, als ich mir das Knie bei einem Sturz gebrochen habe.

Dieses Jahr ist das Team BULLS durch einen besonderen Look aufgefallen. Ihr habt zum Cape Epic das „Project Zebra“ ins Leben gerufen. Was hatte es damit auf sich?

project zebra// Bild: Sabrina Karl

project zebra// Bild: Sabrina Karl

Das Cape Epic ist das MTB-Etappenrennen mit der größten medialen Aufmerksamkeit. Die Bilder, die während des Epics entstehen, benutzt die ZEG das ganze Jahr über. Dafür wollten wir etwas Besonderes machen und haben unsere Bikes und Trikots im Zebra-Look designed. Man kann sagen, es war ein gelungener Marketing-Gag, der uns Fahrer auch zusätzlich enorm motiviert hat. Ab jetzt werden wir allerdings wieder in den Team-Jerseys unterwegs sein. Erst nächstes Jahr werden sie wieder ausgepackt, wenn es zur Titelverteidigung nach Südafrika geht.

Artikel-Tipp: Das Cape Epic Bike & Project Zebra

Karl, danke für das Interview! Viel Erfolg für die kommenden Rennen und die Titelverteidigung im nächsten Jahr.

Interview: C.W.W.