Um im Sommer die Ausdauerleistungsfähigkeit nach einem langen Rennblock wieder aufzufrischen, empfiehlt es sich, eine Trainingsphase mit größeren Umfängen einzulegen. Viele Radsportler planen dafür einen Kurzurlaub in den Bergen oder erhöhen das Trainingspensum einfach daheim. Für mich ist zu dieser Jahreszeit ein „Road-Trip“ das motivierende Mittel der Wahl. Das Klima ist hierzulande stabil, so dass ich vor der Haustüre starten kann.

Nun bereits zum vierten Mal wähle ich die Route von Zürich, Schaffhausen, Basel oder Freiburg aus nach Avignon. Dort ist dann auch standesgemäß die Besteigung des Mt. Ventoux Pflichtprogramm.

Wer eine neue abenteuerliche und sportliche Herausforderung sucht, wird mit einem „Road-Trip“ seine Erfüllung finden. Sechs Stunden Fahrzeit fühlen sich beim Ritt von A nach B weit weniger an als sechs Stunden Training daheim oder sogar im Trainingscamp. Man lässt jeden Kilometer hinter sich, verlässt die ausgetretenen Trainingsrouten und begeht fremde Landschaften. Wer den Spruch verstehen will: „Der Weg ist das Ziel“, wird ihn bei einem „Road-Trip“ verinnerlichen. Spätestens nach dem zweiten Tag packen einen die Sucht nach noch mehr Wegstrecke und Pioniergeist. Man startet vormittags noch in der idyllischen Schweiz und kommt abends im schon mediterran anmutenden Frankreich an. Ein abgefahrenes Gefühl.

Ein Kurzbericht über den „Road Trip“ Freiburg- Mt. Ventoux in vier Tagen mit 700Km.

1. Etappe Freiburg – Biel, 168Km, 1750Hm, 6h

Mit dem Auto ging´s vom Radlabor Frankfurt zum Radlabor Freiburg, wo dann am 1. Juli bei hochsommerlichen 35 Grad am BIOSK der Startschuss fiel. Mit nicht mehr im Gepäck als einem Sommerfreizeitoutfit auf dem Gepäckträger und der VISA- Karte in der Trikottasche machte ich mich mit Dirk auf den Weg gen Süden. Dirk, ein alter Freund, mit dem ich schon 2004 meinen ersten „Road Trip“ auf dieser Route absolvierte. Wären die Wettervorhersagen Dauernieselregen gewesen, hätten wir den Trip wohl abgesagt. Obwohl vermutlich die größere Herausforderung, nahmen wir die Temperaturprognosen von 35-38 Grad eher als „wird schon gehen“ hin. So zeichnete sich bereits am ersten Tag ab, dass dies ein Trip der Brunnenstopps werden sollte, da es unerträglich heiß war. Aber Ziel war Biel und so fuhren wir durchs Rheintal nach Basel und von dort aus über das Jura hinab zum Bieler See, wo wir um 22Uhr mit den letzten Sonnenstrahlen und Flüssigkeitsreserven ankamen.

2. Etappe: Biel – Genf, 165Km, 850Hm, 6h

Meine Geburtstagsetappe und wären die Temperaturen so hoch gewesen wie mein Alter (33 Jahre), hätte ich es wohl als Geschenk gesehen. Doch so wurde es zu einem Kampf bei bis zu 39 Grad. Dies zwang uns das anvisierte Ziel, Annecy, zu revidieren und 40Km früher im Frankenland das Geburtsgastürchen abzuschließen. Aber das ist das Schöne bei einem „Road-Trip“: Man ist frei und kann spontan die Routen ändern bzw. anpassen. So verbrachten wir also die Nacht im schönen und doch sehr „preiswerten“ Genf, wo wir und versuchten, unseren Körper im klimatisierten Hotel zurück auf Normaltemperatur zu bringen.

3. Etappe: Genf – Saint-Nazaire-en-Royans, 185km, 1750hm, 6:30h

Von Genf aus führte und die Tour ins Rohne-Tal und von da an eigentlich immer flussabwärts bis zum Etappenziel. Es ist schon ein schönes Gefühl, innerhalb von zwei Tagen die Schweiz zu durchqueren und den Wechsel der unterschiedlichen Landschaften und Lebenskulturen zu erleben. So gönnten wir uns nach etwa 140Km ein „Menu du jour“ inmitten der lebensfreudigen Franzosen. Schließlich ist speziell dieser „Road-Trip“ auch eine kulinarische Reise.

4. Etappe: Saint-Nazaire-en-Royans – Uzes, 185Km, 1250Hm, 6:30 h

Die Schlussetappe startet in dem kleinen, beschaulichen Ort Saint-Nazaire-en-Royans und führte in Pfeilrichtung weiter in den Süden nach Orange. Bei unverändert hohen Temperaturen blieb der Mistral, und damit willkommene Abkühlung und wertvoller Rückenwind, leider aus. Wir schafften es dennoch pünktlich zum „Tour de France“-Start in Orange, um bei einem weiteren „Menu du Jour“ das Auftaktzeitfahren zu sehen. Die restlichen Kilometer waren dann nur noch Genuss, sofern man das bei immer noch 34 Grad um 18h behaupten kann. Pünktlich zum „Apperetivo“ rollten wir dann mit 700Km in den Beinen in unserem Feriendomizil St. Quentin de la Potterie ein, wo erst mal zwei Ruhetage/ Pooltage auf dem Programm standen – als Erholung für das ausstehende Highlight für Radsportler in der Region, die Besteigung des Mt. Ventoux.

Dei Zugabe: Bedoin – Mt. Ventoux, 100Km, 2.000Hm, 4h

Der Aufstieg zum Ventoux ist eine der schönsten Radtouren, die ich kenne. Wer ihn noch nicht auf seiner Liste hat, sollte ihn unbedingt machen. Der Mt. Ventoux ist der König der Radsportberge und ein wirkliches Radsportfest. Egal, wann man den Ritt auf den „Weißen Riesen der Provence“ macht, es wird einem immer vorkommen wie ein Radmarathon. Man ist stets umzingelt von passionierten Radsportlern. Nach dem standesgemäßen Gipfelfoto wählten wir die Abfahrt nach Sault. Die Abfahrt führt entlang unzähliger Lavendelfelder in „Gorge de la Nesque“, eine Schlucht zum Genießen.

Vielleicht hat euch dieser kleine Reisebericht Lust auf einen „Road-Trip“ gemacht!? Ihr nehmt auf jeden Fall von so einer Tour nicht nur tolle Eindrücke mit, sondern auch jede Menge Form. Viel Spaß.